Die „Graue Stein Methode“: Wie man mit einem Narzissten umgeht, wenn es nicht möglich ist, den Kontakt abzubrechen

[Ratgeber]

Es gibt einen Narzissten in deinem Leben. Das ist sehr unglücklich und du wünscht ohne Zweifel, dass es nicht so wäre, es ist aber so. Es gibt einen Narzissten in deinem Leben und du hast keine Wahl, als mit ihm zu interagieren.

Bist du verflucht, den Rest deines Lebens als Bauer in ihrem niemals endenden Spiel zu enden? Musst du ihre Manipulationen über dich ergehen lassen? Werden sie dich für immer im Griff haben?

Nein. Nein. Ganz sicherlich nicht!

Der Narzisst mag zwar in deinem Leben sein, er muss aber ganz sicher NICHT in deinem Kopf sein. Die unten beschriebene Methode benötigt Übung und es wird beim ersten Mal nicht gleich klappen, aber wenn du dran bleibst wird es Distanz (emotional aber auch physisch) zwischen dir und deinem Peiniger bringen.

Die Methode ist bekannt als „Grauer Stein Methode„. Die Grundidee dahinter ist es, dass du die Aufregung und das Verhalten von genau dem verkörperst: Einem grauen Stein. Den Typ Stein, den du nicht zweimal anschauen würdest. Den Typ Stein der grundsätzlich ignoriert wird und an dem die Leute einfach vorbeilaufen.

Wer sollte die „Graue Stein Methode“ verwenden?

Der effektivste Weg, mit einem Narzissten umzugehen, ist es, überhaupt keinen Kontakt zu haben. Schliesse ihn aus deinem Leben aus und verhindere jede Art von Kontakt zu dieser Person. Ändere deine Nummer, deine Email, blockiere sie auf Social Media und wenn es nötig ist ziehe um in eine neue Stadt.

Unglücklicherweise sind die Dinge nicht immer so einfach. Es gibt Zeiten bei denen das „Aus dem Leben schneiden“ eines Narzissten einfach nicht praktikabel ist.

Wenn du dich in einer der folgenden Situationen wiederfindest, ist die „Graue Stein Methode“ deine beste Option:

  • Du hast ein Kind oder Kinder mit einem narzisstischen Ex
  • Du hast einen narzisstischen Kollegen oder Boss in einem Beruf den du momentan nicht verlassen willst oder kannst (auch wenn es dein langfristiges Ziel sein sollte, Arbeit in einer neuen Firma und Abteilung zu finden)
  • Du hast narzisstische Eltern oder ein Familienmitglied welches du manchmal an Familientreffen sehen musst

Warum funktioniert die „Graue Stein Methode“?

Dein Narzisst ist ein Schauspieler: Jemand, der viele verschiedene Masken anzieht und verschiedene Rollen spielt. Die Personen in seinem Leben – DICH eingeschlossen – sind sein unterstützendes Publikum, seine persönliche Dokusoap.

Zum Teil ist es Romantik, teils Drama, teils Action, teils Thriller, teils Komödie (der Scherz geht dabei auf deine Kosten) und teils Horrorgeschichte (in welcher der Narzisst das böse Monster ist und du das hilflose Opfer).

Jede Szene in dieser Dokusoap muss den Narzissten interessiert und engagiert zurücklassen. Die Narzissten schreiben die Geschichte und dirigieren die anderen Schauspieler durch Manipulation und Nötigung so dass sie selber unterhalten sind.

Sie werden jederzeit sicherstellen, dass sie – der Star der Show – ihren Aufmerksamkeitsfix, ihre Bewunderung und Belobigung von den anderen erhalten.

Egal ob du in ihrer Show eine grosse Rolle als Partner oder Familienmitglied spielst, oder ob du einen kleineren Part als Nebendarsteller hast. Wendest du die „Graue Stein Methode“ an kannst du dich selber vollständig aus der Serie herausschneiden.

Stell dir mal vor du siehst einen Film oder eine Show in welcher ein Charakter nichts in Richtung Emotionen oder interessanter Dialog hergibt. Wie langweilig wäre das? Du würdest wahrscheinlich schnell mal auf einen anderen Sender wechseln, oder?

Nun, für Narzissten funktioniert das genauso. Wenn dein Schauspiel sie nicht mit einer gewissen Stufe von Aufregung befriedigen kann, werden sie gezwungen, an einem anderen Ort danach zu suchen.

Wenn du für die Fallen und Fragen des Narzissten emotional teilnahmslos bleibst reduzierst du in ihren Augen deinen eigenen Wert. Sie möchten Oskar-reife Darstellungen während dein Auftritt bereits zu Ende ist, bevor du die Bühne betrittst.

Eventuell werden sie das Bedürfnis spüren, dich in nichts besonderes zu verwandeln. Jemand, der unscheinbar mit dem Hintergrund verschmilzt und praktisch keine Redezeit in ihrem Schauspiel trägt.

Sie werden immer noch versuchen, dich von Zeit zu Zeit zu motivieren, um zu sehen, ob du vielleicht doch das Talent hast, einer ihrer Stars zu werden. Solange du aber langweilig und „steingleich“ bleibst, wirst du es nicht einmal bis zum Vorstellungsgespräch schaffen.

Narzissten sind süchtig nach dir und deinem Schauspiel. Sie brauchen einen regelmässigen „fix“ um ihr Ego zu befriedigen. Ein Narzisst will, dass du der Charakter bist, der ihnen Drama und Aufregung in sein Leben bringt und solange du diese Rolle weiterspielst wird er neue Drehbücher für dich schreiben.

Wie wird man zum „Grauen Stein“?

Es gibt ein altes Sprichwort, welches lautet: „Du kannst kein Blut von einem Stein erhalten

In diesem Fall bist du der Stein und das Blut ist das Verhalten, welches das Verlangen des Narzissten stillt

Halte den Dialog mit dem Narzissten bei einem absoluten Minimum. Wenn du nicht mit ihm sprechen musst, mach es nicht. Bleib in deinem Auto, wenn du die Kinder bei seinem Haus ablieferst. Sitze am anderen Ende des Tisches bei Familienessen. Frage nach einem Arbeitsplatz, der weit entfernt von dem des Narzissten ist. Vermeide die Interaktion mit ihm so weit wie möglich. Aber mache kein grosses Ding daraus, sonst gibst du ihm nur wieder Munition.

Wenn du mit ihm sprechen musst, rede über langweilige Themen wie das Wetter. Wenn der Narzisst dich etwas fragt, gib kurze, langweilige Antworten, welche zu keinen weiteren Konversationen führen.

Er fragt: „Wie geht es?“
Du antwortest: „Gut, danke“

Er fragt: „Was hast du am Wochenende gemacht?“
Du antwortest: „Ich habe die Wäsche gemacht und den Rasen gemäht“

Wenn er antwortet: „Du bist langweilig geworden“ dann nicke nur und lächle in stiller Zustimmung (er muss nicht wissen, dass du tief in deinem Herzen vollständig mit dieser Aussage übereinstimmst).

Ein einfaches ja und nein reicht wo es nötig ist, aber manchmal willst du dich nicht zu einer Antwort verleiten, die deine Meinung offenbaren kann. in diesen Fällen reicht auch ein „hmmmm“, „vielleicht“ oder „mal schauen“.

Spreche niemals über Persönliches, nicht das kleinste Detail. Sie werden ihre Klauen in jedes Quäntchen Information hineinhaken, dass du ihnen lieferst, und sie werden sie werden es verwenden, um die Konversation weiterzutreiben und narzisstisches „Suchtmittel“ aus dir zu quetschen. Sie wollen wissen, was dir im Leben wichtig ist. Sie sind neidisch, auf das was du hast (egal, was das ist) und wenn sie es von sich aus nicht kriegen können, werden versuchen, es irgendwie von dir zu holen. Gib ihnen keine Gelegenheit dazu. Bleib still und geheimnisvoll über dein neues Leben ohne sie.

Sag ihnen niemals wie es dir geht (egal wie gerne du es ihnen unter die Nase reiben möchtest). Erinnere dich, sie sind getrieben von ihren Egos, und jede Anspielung, dass es dir ohne sie besser geht oder dass sie dir in irgendeinerweise unterlegen sind wird als Angriff auf ihre Identität angesehen. Sie sehen sich so, dass sie über jedem anderen stehen in jeder Beziehung, und wenn du ihnen mitteilst, dass es es dir besser geht als ihnen, werden sie aggressiv.

Stelle keine Fragen. Auch wenn es wie harmloser Small Talk aussieht, sobald du dich mit ihnen abgibst und sie über ihr Leben ausfragst gibt das ihnen grünes Licht ihre innere Liste von kürzlichen Errungenschaften abzuspulen (egal ob wahr oder selbst-fabriziert) um dich schlecht zu machen. Oder sie werden über gemeinsame Bekannte herziehen um zu schauen, ob du darauf reagierst. Gib ihnen keine Basis dafür. Fall nicht auf ihr Verlangen nach Aufmerksam rein.

Halte dich an Fakten wo auch immer möglich. Elternabend ist am Mittwoch um 19 Uhr. Der Arzt hat deinem Sohn Schmerzmittel gegeben, die er alle 8 Stunden einnehmen muss. Wir haben 5 neue Kunden diese Woche. Mit solchen Aussagen wird der Narzisst mühe haben, dich herauszufordern, da sie nur schwer falsch interpretiert werden können. Das letzte, was du willst, ist dich auf eine Debatte mit dem Narzissten einzulassen.

Vermeide die Erwähnung der Vergangenheit um jeden Preis. Du willst diese dunklen Zeiten auf keinen Fall wieder aufleben lassen, auch wenn sie es wollen. Wenn du die Vergangenheit wieder hervorbringst, riskierst du das Öffnen alter Wunden und Argumente. Ausserdem geräts du wieder in das „Wer ist schuld?“-Spiel, dass du nicht gewinnen kannst.

Wenn das passiert, gibt es eine Taktik, die dir in dieser Situation helfen kann: Wenn du öffentlich die Verantwortung für die Probleme, die ihr zusammen habt, akzeptierst (auch wenn du diese nicht innerlich akzeptierst). Jeder Versuch, einen Teil der Schuld auf sie abzuschieben, wird zurückgeschlagen mit Verweigerung, Verteidigung und Angriff gegen dich.

Die „Graue Stein Methode“ ist nicht einfach, aber oft sehr effektiv. Oftmals möchtest du sie anschreien, aber wenn du auf die Zunge beisst und keinen Wank machst wenn sie versuchen, eine Antwort aus dir herauszupressen, wirst du ihr Drama aushungern lassen. Statt seine Lektion zu lernen (was für den Narzissten keine Option ist) wird er an einem anderen Ort nach Aufmerksam suchen.

Die Erscheinung zu einem grauen Stein machen

Zusätzlich zu der erwähnten Interaktion mit dem Narzissten kann es auch helfen, das Erscheinungsbild und die Teile, die für die Narzissten einsehbar sind, einem grauen Stein anzunähern.

Wenn der Narzisst ein Expartner ist, versuche dein Erscheinungsbild so langweilig wie möglich zu gestalten, wenn du ihn treffen musst. Narzissten haben eine gute Beobachtungsgabe, wenn du dich selber also physikalisch unattraktiv machst, fliegst du einfacher unter ihrem Radar hindurch.

Wenn sie einen Kommentar abgeben, wie schlecht du aussiehst, lass es in ein Ohr rein- und im anderen Ohr rausgehen. Sie versuchen, von dir eine Reaktion zu erhaschen, wenn du aber nur die Schultern zuckst, als ob es dir egal wäre, werden sie das Interesse an dir verlieren.

Erstelle neue soziale Profile, welche sie nicht kennen wenn es dir möglich ist. Denke aber daran, dass es immer noch möglich ist, dass sie dich finden. Ändere deine Einstellungen so, dass es beschränkt ist, was die Öfffentlichkeit von dir sieht, und mache nur langweilige Bilder öffentlich (oder sogar eines, bei dem du gar nicht drauf bist), so dass sie es langweilig finden, herumzuspionieren.

Verhindere Extravaganz, welche sie sehen könnten, in jeder Form. Zeige ein einfaches Auto, keine Juwelen, keine privaten Bilder. Lass sie nichts sehen, dass sie denken lassen kann, dass es dir gut geht (wegen den oben genannten Gründen).

Es kann den Eindruck machen, dass du so dein Leben für ihren Vorteil einschränkst, und auf gewisse Weise ist das wahr. Denke aber daran, dass kein Auto und kein Luxus dich langfristig glücklich machen wird, besonders wenn du unter einem Narzissten leidest. Ein Leben zu haben, welches frei von dem Narzisst ist, wird die mehr Frieden und Glück bringen, also solltest du alles unternehmen, um das Realität werden zu lassen.

Die Reaktion eines Narzissten

Wenn du dich entscheidest, ein „grauer Stein“ zu werden, kannst du erwarten, dass Narzissten darauf reagieren wird. Sie werden nicht genau wissen, worauf du hinauswillst (und du solltest es ihnen NIEMALS sagen) aber sie werden eine Veränderung in deinem Verhalten ihnen gegenüber merken.

Eine übliche Reaktion ist Wut, welche sie ohne Zweifel schon unzählige Male gegen dich verwendet haben. Sie werden schreien oder dich auf irgendeine Weise bedrohen, du musst aber cool und ruhig bleiben.

Oder sie versuchen, dich fertig zu machen, da du plötzlich still bleibst oder ihnen keine Reaktion schenkst. Es ist die klassische kindische Art, auf jemanden zu reagieren, der einem nicht zuhört: Dir böse Namen geben, sagen du seist doof, oder in dein Gesicht lachen. Alles ist möglich, um von dir eine Rekation zu erzwingen.

Traurigerweise ist sich ein Narzisst auch nicht zu schade, andere gegen dich zu verwenden. In einem Versuch, dich wieder in eine Konfrontation zu bringen, werden sie dir alles mögliche entgegenwerfen: Deine Kinder, deine Freunde oder deine ehemaligen Kollegen. Sie werden lügen und Geschichten über dich fabrizieren, versuchen, andere gegen dich aufzuhetzen, andere dich schikanieren lassen, oder die Menschen die du liebst bedrohen, bis du ihren Wünschen nachgibst.

Stelle immer deine Sicherheit und die der Menschen die du liebst an die erste Stelle. Wenn die Bedrohung ernst wird, suche Schutz und Hilfe bei der Polizei, dem Gesetz oder sozialen Einrichtungen.

Wenn du denkst, dass es sich um leere Drohungen handelt, solltest du standhaft bleiben. Bleibe standhaft mit der „Grauer Stein Methode“, und warte, bis sie gelangweilt werden. Das wird wahrscheinlich geschehen.

Wenn du deine nicht-reagierende Einstellung beibehalten kannst, wirst du eine Veränderung bei den Narzissten bemerken. Sie werden immer noch versuchen, deine Reaktionsknöpfe zu drücken, das wird aber je länger je weniger fest und weniger oft sein, da sie von dem Spiel gelangweilt werden. Was nicht heisst, dass sie es irgendwann in der Zukunft nicht wieder versuchen werden – wenn zum Beispiel ihre neue Aufmerksamkeitsquelle versiegt ist. Solange du ihren Köder aber nicht schluckst, sind sie gezwungen, eine neue Quelle sonstwo zu beschaffen.

Etwas, was du niemals von einem Narzissten erwarten solltest, sind Schuldgefühle. Sie haben keine. Egal, wie fest sie dich verletzen und quälen, sie werden genau null Schuld und Verantwortung dafür akzeptieren. Also suche nicht danach.

Die Gefahren der „Grauer Stein Methode“

Obwohl es eine sehr effiziente Methode ist, den Umgang mit einem Narzissten zu meiden, ist das nicht immer möglich. Und auch die „Graue Stein Methode“ hat ihre Kehrseite.

Zum einen kann es sein, dass du sie unter den falschen Umständen anwendest. Wenn es möglich ist, solltest du den Kontakt mit einem Narzissten immer vermeiden. Du kannst in die Versuchung kommen, die „Graue Stein Methode“ zu verwenden, statt den Aufwand zu betreiben, den Kontakt zum Narzissten abzubrechen, was aber nicht ratsam ist.

Ja, du könntest immer noch Gefühle für sie haben. Ja, du hoffst immer noch, dass sie sich ändern. Ja, es braucht Mut und Aufwand, um sicherzustellen, dass sich eure Pfade nicht mehr kreuzen. Keines dieser Argumente sollte jedoch verwendet werden, um ein grauer Stein zu werden, wenn die Option besteht, den Kontakt ganz abzubrechen.

Mit jeder unnötigen Interaktion mit einem Narzissten läufst du Gefahr, in ihre Falle zu tappen. So gut du auch denkst dass du nicht auf ihre Versuche reagieren wirst, braucht es nur einen Ausrutscher und du findest dich bald wieder in der unglücklichen Lage, der du ursprünglich entfliehen wolltest.

Die zweite Gefahr in der „Grauer Stein Methode“ liegt darin, dass du diese unglückliche Beziehung in andere Teile deines Lebens und andere Beziehungen kriechen lässt. So kann es passieren, dass du auch gegenüber anderen Dingen, für die du immer eine Leidenschaft hattest, keine Reaktion mehr zeigst und so das Interesse verlierst.

Es kann auch passieren, dass du die Fähigkeit der Empathie bei andern verlierst, da du dich gegenüber anderen Menschen emotional abschirmst, da du Angst hast, dass du wieder manipuliert wirst. Du musst dich daran erinnern, dass es okay ist – sogar ratsam – offen und ehrlich mit anderen Menschen zu sein, und dass du deinen Schutzschild unten lassen und anderen Menschen vertrauen kannst. Du kannst nicht den Rest deines Lebens distanziert von anderen Menschen leben nur weil du diese Methode wegen einem Narzissten anwenden musstest.

Die „Graue Stein Methode“ kann eine sehr effektive Methode sein, mit einem Narzissten umzugehen, und trotzdem regelmässig mit ihm Kontakt zu haben. Sie kann ein Schutzschild sein, welches dich vor weiterem Schaden bewahrt, indem sie sicherstellt, dass du nicht mehr ihr Ziel wirst. Denke daran, sie möchten nicht mit einem langweiligen Spielzeug spielen, so sei genau das. Sei nicht ihre Unterhaltung, sondern ihr am wenigsten geliebter Zeitvertreib.

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Teil 2: Die Schwiegermutter erfindet Verschwörungstheorien über meine Frau

Von: Dominik, 35, männlich

Fortsetzung von Teil 1: Die Schwiegermutter erfindet Verschwörungstheorien über meine Frau

Hallo liebe Glücksritterin Lea!

Ich dachte mir, du willst sicher wissen, wie es bei mir weiterging. Leider überhaupt nicht erfreulich.

Meine Frau und ich haben ja mit meiner Mutter abgemacht, dass wir eine Zeit lang keinen Kontakt mehr haben. Soweit hat das auch gut geklappt, meine Frau ist schon viel entspannter als in den letzten Monaten.

Am letzten Samstag ging ich dann mit Julia zu einem Kinderparadies in unserer Nähe, du weisst schon, wo die Kinder auf Hüpfburgen rumhüpfen und klettern können. Ich war gerade am nach Hause fahren im Auto, da klingelte mein Handy. Da war eine Meldung meiner Mutter im Whatsapp. Ich hatte meiner Mutter vor einigen Wochen ein Bild meiner geliebten Tochter Julia geschickt, wie sie ganz fröhlich eine Rutsche runterrutschte. Sie hat mir das Bild zurückgeschickt und dann darunter geschrieben:

Ein süsses kleines Mädchen, welches ihrer Grossmutter nur Kummer und Leid bringt.

Ich bin grundsätzlich ein sehr ruhiger Mensch, aber das hat mir echt den Schnuller rausgehauen! Nein, also, ich dachte, ich lese nicht recht. Ermasst sich meine Mutter doch tatsächlich, meiner kleinen Julia die Schuld in die Schuhe zu schieben!

Ich musste ihr einfach zurückschreiben.

(PS: Ich habe es auch in Whatsapp getan. Bitte lasst irgendwelche Kommentare von wegen „Du hättest einen richtigen Brief schreiben sollen und nicht in Whatsapp“ Ich wollte ihr früher mal einen Brief schreiben und habe mich dann bewusst dagegen entschieden, aber das hat dem Fass echt den Boden rausgehauen“. Und wir haben uns früher oft per Whatsapp unterhalten oder für Treffen abgemacht)

Also habe ich ihr geschrieben:

Nein Mutter, die Julia ist das süsseste Mädchen der Welt und sie hat keine Ahnung von Kummer und Leid. Sie ist ein unschuldiges Wesen und das tollste Mädchen, das man sich als Eltern vorstellen kann. Sie lacht ganz viel und befolgt Anweisungen ganz brav. Sie kapiert schon unglaublich viel und wir sind sehr stolz auf sie.

Du alleine bringst dir diesen Kummer. Du hast uns gesagt „Die Julia ist nicht normal, sie ist zu dünn, und sowieso isst sie überhaupt normal? Ich sehe sie immer nur Chips essen. Und deine Frau ist total verlogenen!“ Mit solchen Aussagen hast du zu dieser Situation geführt.

Meine Frau ist eine der ehrlichsten Menschen auf der Welt. Sie als Lügnerin zu bezeichnen ist absolut falsch und eine grosse Beleidigung. Meine Frau ist eine liebevolle Mutter und die beste Freundin, die ich mir nur wünschen kann. Ich kann mir keine bessere Frau für mich vorstellen.

Weil die Julia so lieb ist wollte ich besonders viel mit dir unternehmen, damit du auch von diesem Sonnenschein profitieren kannst. Aber nein, du hast das Geschenk überhaupt nicht geschätzt, sondern uns noch beleidigt. Du hast mein Vertrauen missbraucht und ich werde dir so schnell nichts mehr erzählen, weil ich immer Angst haben muss, dass du es gegen mich verwendest.

Du solltest langsam in einem Alter sein, in dem man nicht immer den anderen Schuld gibt, sondern die Verantwortung für das eigene Handeln übernimmt. Ganz sicher ist Julia nicht schuld an deinem Kummer, ich bin nicht schuld, und meine Frau ist nicht schuld. Du alleine bist schuld.

Du alleine kannst diese Situation wieder lösen, indem du sagst „Es tut mir leid, dass ich euch beleidigt habe“ oder „Ich selber habe dich zwar anders erzogen, ich akzeptiere aber, wie ihr Julia erzieht, und ich vertraue darauf, dass es gut herauskommt“. Einfach indem du eine liebe Grossmutter bist und keine beleidigende Grossmutter.

Ich wünsche mir, dass du wieder eine liebe Mutter und eine liebe Grossmutter wirst und uns nicht mehr beleidigst. Denn wer meine Frau oder meine Julia beleidigt, der beleidigt mich, und so jemanden will ich nicht in meinem Leben haben. Ich will jemanden haben, der mir gut tut, der mir Komplimente macht oder mich lobt für das, was ich in meinem Leben erreicht habe. Jemand, der mit mir das weitere Leben geniesst.

Du merkst hoffentlich, dass ich trotz der Emotionen sehr Mühe gegeben habe, meine Mutter nicht zu beleidigen, da dies wieder neue Angriffsfläche gegeben hätte. Ich wollte ihr eigentlich ein bisschen die Augen öffnen und gleichzeitig auch sagen, dass wir uns wieder vertragen sollen.

Ich habe gehofft, meine Mutter sieht, dass sie uns beleidigt hat, und entschuldigt sich. Oder sie hätte sich nicht mal zu entschuldigen brauchen, einfach nur etwas nettes hätte mir gereicht… Keine Ahnung…

Auf jeden Fall hat sie seither nur noch einen Satz zurückgeschrieben:

Es ist schon bedenklich wie du mit deiner Mutter umgehst

Null Einsicht und wieder spielt sie die Opferrolle und gibt mir die ganze Schuld!!

Was mache ich nur??

 

Antwort von Glücksritterin Lea

Hallo Dominik

Schön, dass du noch einmal schreibst. Ich finde es sehr toll, dass du es trotz dem Verhalten deiner Mutter noch schön mit Julia hast, und anscheinend auch mit deiner Frau, also dass ihr deswegen nicht streitet. Schön, dass ihr zusammenhaltet! herz klein

Du darfst gerne schreiben, wie es weitergeht, ich bin sehr gespannt. Ich dachte bis jetzt immer, ich hätte eine gute Menschenkenntnis, aber die Antwort deiner Mutter habe ich in keiner Möglichkeit vorhergesehen. Meiner Meinung nach hast du ganz gut geschrieben. Du hast deine Liebe zu Julia und deiner Frau beschrieben und dass du keine weiteren Beleidigungen duldest.

Noch während dem Lesen habe ich mir vorgestellt, wie deine Mutter sich durchringen kann, ein „Es tut mir leid“ zu schicken. Sie hätte es ja sogar auch per Whatsapp machen können, nicht mal von Angesicht zu Angesicht. Stattdessen schiebt sie, wie du sagst, die ganze Schuld wieder auf dich und geht auf keinen deiner Punkte überhaupt ein. Vielleicht ist sie selber so beleidigt, dass du „behauptest“, sie hat euch beleidigt, dass sie die eigentliche Nachricht gar nicht mitbekommt. (Achtung: Reine Spekulation)

Sie erinnert mich tatsächlich an das Verhalten eines Narzissten, welcher auf Teufel komm raus seine Fehler nicht zugeben und sich entschuldigen kann. Sehr traurig für dich und natürlich auch deine Julia.

Das wichtigste ist aber, dass ihr es schön habt mit eurer kleinen Familie. Ich würde mich vorerst auf das konzentrieren und deiner Mutter nicht mehr schreiben. Sie hat jetzt deine Meinung und kann die beliebig oft nochmals nachlesen. Vielleicht kommt sie ja irgendwann doch noch zur Einsicht.

Alles Liebe wünsche ich dir, deiner Frau und natürlich deiner Julia smiley lachenherz klein

Glücksritterin Lea

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Meine Schwiegermutter macht mich fertig, weil ich noch immer stille

Von: Sabrina, 31, weiblich

Hallo Glücksritterin Lea

Ich habe eine kleine Tochter und sie ist das schönste kleine Wesen, dass es auf dieser Welt gibt! Ich liebe sie über alles! Sie ist so süss und lieb, süsser kann man nicht sein. Sie ist immer am lachen und verzaubert mir den Tag. Ich bin so glücklich, dass ich sie habe. Als noch schwanger war, habe ich gedacht, ich würde später wieder arbeiten gehen, aber jetzt kann ich es mir nicht mehr vorstellen, meine kleine Maus alleine zu lassen. Ich will ihr alle Liebe dieser Welt schenken. Dazu einen total lieben Mann, der sich um mich kümmert und mich in allem unterstützt.

Ich habe aber totale Probleme mit meiner Schwiegermutter! Die spinnt total! Anders kann ich es nicht nennen. Sie hat einige Punkte, die ihr an unserer Erziehung nicht gefallen. Der Punkt, der bei mir am meisten Kopfschütteln hervorruft, ist das Stillen. Meine kleine Maus ist jetzt 2 Jahre und 3 Monate und ich stille sie immer noch. Nicht mehr so oft wie früher, sie koppelt sich automatisch langsam von mir ab. Aber doch etwa zum Einschlafen kommt sie an meine Brust und schläft so friedlich ein. Und in der Nacht kommt sie ab und an auch an den Busen, obwohl es immer weniger wird und sie immer selbstständiger schläft. Ab und zu kommt sie noch, wenn sie irgendwo ganz doof den Kopf anschlägt oder so, aber auch nicht mehr so oft wie vor einigen Monaten.

Ich persönlich bin auch voll überzeugt vom Stillen. Ich liebe diese Nähe zu meinem Kind und gebe ihr gerne Milch von meinem Busen. Ich meine, schliesslich ist er doch dafür gemacht oder? Ich habe das Gefühl, das vergessen die „modernen“ Leute mehr und mehr. Ich habe gelesen, dass die Milch sehr viele Stoffe beinhaltet, die gut für mein Kind sind, und dass sie auch von meinem Immunsystem profitiert. Wie könnte man da etwas dagegen haben?

Und ob man das kann! Meine Schwiegermutter nörgelt ständig an diesem Thema rum, wenn wir uns treffen (was auch nicht so oft ist, wie es sein könnte, aber wer will sich schon mit solch einer nervigen Schwiegermutter öfters treffen??) Meine Schwiegermutter selber hat nur 4 Monate gestillt und dann abgestillt. Ich weiss nicht soviele Details darüber, sie hat nur mal gemeint, sie hat abgestillt, damit sie ihren Körper wieder für sich haben kann und auch wieder mehr Zeit für sich hat. Und wenn sie ihre Freundinnen fragt, hat keine von denen länger als 9 Monate gestillt. Und meine Schwiegermutter sagt dann so zu mir, dass sie ihren Freundinnen erzählt, dass ich länger als 2 Jahre stille, und dass dann alle voll erschrocken sind und sagen „Neeeinnnnn so was aber auch“ oder „Die Mutter will ich nicht sein, die hat ja gar keine Zeit für sich!“ oder solchen Quatsch.

Ich weiss echt nicht, wie ich ihr klar machen kann, dass MIR das Stillen grossen Spass macht und ich sehr gerne die Zeit mit meinem Kind verbringe. Und ich meine, ich stille sie ja nicht bis 7 oder 8 Jahre, sondern wenn es für mein Kind und mich passt, hören wir auf.

Ich finde das so komisch, als würde ich in einer verkehrten Welt leben! Models dürfen halbnackt auf riesigen Postern zu sehen sein, aber wenn man von einer schwangeren Frau, welche das Geschenk des Lebens zur Welt gebracht hat, auch nur einen Millimeter vom Nippel sieht, drehen alle durch. Und das Stillen ist ja ein „Mehraufwand“ für mich als Mutter. Ich nehme mir die Zeit, sitze mit meinem Kind hin, gebe ihm die Brust, streichle es und bin für das Kind da. Ein Fläschchen zu geben ist doch da viel einfacher, und doch werde ich von diesen Frauen als komisch angeschaut. Nein, das verstehe ich einfach nicht.

Ich persönlich bin auch voll tolerant. Ich weiss ja, dass es Frauen gibt, die nicht Stillen können. Und auch Frauen, die nicht stillen wollen. Und die dürfen ja alle das Fläschchen geben, da bin ich total tolerant. Das muss doch jeder selber wissen. Aber meine Schwiegermutter hackt ständig auf mir rum und hat Gefühl, mein Kind entwickelt sich dadurch schlecht oder wird voll zum „Mutter-Kind“ und dadurch kommt meine Schwiegermutter nicht an mein Kind ran.

Weisst du was das Schlimmste ist, was passiert ist?

Meine Schwiegermutter war bei uns zu Besuch, und wir hatten es sehr friedlich. Wir haben Kaffee getrunken und Kuchen gegessen und geschwatzt. Dann hat mein Kind (das war noch vor einigen Monaten) gesagt, es würde gerne an der Brust trinken. Weil wir so friedlich am reden waren habe ich den grossen Fehler gemacht, und bin einfach auf das Sofa im gleichen Raum, um zu stillen, statt in das Schlafzimmer zu gehen. Ich dachte, wir seien eine Familie und das kann ich mir darum erlauben. Aber nein!!! Meine kleine süsse Maus hat nämlich etwas gemacht, was das Leben meiner Schwiegermutter in ihren Grundfesten erschüttert hat!!!!!!

Kannst du dir denken, was mein Kind gemacht hat????

Mein Kind hat es gewagt, während es mit dem Mund an meiner Brust getrunken hat, mit der anderen Hand, die frei war, am anderen Nippel herumzudrücken!!!!!!!!

Kannst du dir so etwas Schlimmes vorstellen? (Achtung: Ironie!) Meine Schwiegermutter hat auf jeden Fall ein Trauma davon und ich finde es einfach nur zutiefst lächerlich. Weil einmal mein Kind an meiner anderen Brust gespielt hat, muss sie es mir jedes mal vorhalten und darüber jammern, dass das sehr schlimm sei und überhaupt nicht geht und sowieso!

Nein wirklich, ich bin so traurig und gleichzeitig ein wenig wütend (vielleicht hast du es an meinem Text gemerkt) weil das ganze so lächerlich ist. Die ganze Diskussion über das Stillen finde ich so unnötig und es macht mich mich einfach so traurig…

Viele liebe Grüsse, ich mag deine Seite sehr! Ich hoffe, du hast einen guten Rat für mich!
Sabrina

Antwort von Glücksritterin Lea

Hallo liebe Sabrina

Diese Schwiegermutter sind echt eine Klasse für sich. Ich weiss auch nicht, wie das kommt, dass Schwiegermütter besonders intolerant sind.

Ich höre von anderen Müttern immer, dass die Schwiegermutter Angst hat, dass die Frau den Sohn „klaut“. Aber das ist doch eigentlich völliger Schwachsinn, der Sohn hat nunmal ein eigenes Leben und ist mit einer anderen Frau zusammen, vielleicht sogar verheiratet. Da kann doch eine Schwiegermutter sich nicht anmassen, über den Sohn zu bestimmen, oder die Beziehung zu zerstören. Aber anscheinend tragen Schwiermütter einen wesentlichen Teil dazu bei, dass viele Paare sich scheiden.

Und zum Thema Stillen kann ich dir meine Meinung sagen: Für mich ist die ganze Diskussion um das Stillen genauso unverständlich und eine der einfachsten „Probleme“ auf dieser Welt. Die Lösung ist nämlich aus meiner Sicht ganz einfach: Stillen ist eine natürliche Funktion des Körpers, sie ist gut für das Kind und es fühlt sich für die Mütter, die es machen, auch gut an. Ich kann da keinen Nachteil erkennen und verstehe ebenso wie du nicht, warum da Menschen deswegen auf die Barrikaden gehen können. Besonders, wenn DU tolerant bist und kein Theater aufmachst, weil deine Schwiegermutter „nur“ 4 Monate gestillt hat.

(Genauso sehe ich übrigens mit Masturbation, das ist auch eine natürliche Funktion des Körpers und fühlt sich einfach toll an) smiley zwinkeraffe augen zu

Deine Schwiegermutter sollte sich echt aus dem raushalten. Du kannst selber entscheiden, wie lange und oft du stillst und wann du aufhören willst.

Fragt man die Weltgesundheitsorganisation zum Thema Stillen, schreiben die nämlich, dass sich eine Stillzeit bis 2 Jahren sehr positiv auf das Kind auswirkt. Und untersucht man die Stillzeit von Tieren könnte der Mensch sogar bis zu 5 oder 6 Jahren stillen.

„Die WHO betont, dass die ersten zwei Lebensjahre eine kritische Phase für optimales Wachstum, optimale Gesundheit, sowie optimale mentale und motorische Entwicklung darstellen. Nach dem zweiten Lebensjahr ist es sehr schwierig, Wachstumsrückstände wieder aufzuholen.“ (Quelle: https://www.still-lexikon.de/empfehlungen-der-who-fuer-die-ernaehrung-gestillter-kinder/)

Aber du hast natürlich recht, halbnackte Frauen werden auf riesigen Plakaten gezeigt und stillende Mütter müssen sich verstecken, wenn dem Kind die Brust geben. Absolut unverständlich.

Ich fühle mit dir und hoffe wirklich sehr, dass deine Schwiegermutter irgendwann Vernunft annimmt und deine Einstellung immerhin toleriert, wenn sie schon nicht gleicher Meinung ist.

Ich bin ganz stolz auf dich, dass du eine Frau bist, die macht, was sie für richtig hält! Ganz viel Kraft wünsche ich dir!!! herz kleinherz klein

Alles Liebe
Glücksritterin Lea

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Die Schwiegermutter erfindet Verschwörungstheorien über meine Frau

Von: Dominik, 35, männlich

Hallo Glücksritterin Lea

Ich bin richtig, richtig verzweifelt. Ich stecke momentan in solch einer absurden Situation, wirklich. Meine Mutter denkt, meine Frau sei eine absolut böse, verlogene, hinterwäldlerische Person. Meine Mutter glaubt, meine Frau will ihr bewusst unser Kind vorenthalten. Ich weiss echt nicht mehr, was ich tun soll!

Vielleicht zuerst einmal etwas über mich. Ich bin mit meiner Frau bereits seit 13 Jahren zusammen, sie ist eine der liebenswertesten Personen auf dieser Welt. Wir haben solch eine gute Beziehung, das man nur von wahrer Liebe sprechen kann. Sie hat eine wundervolle Persönlichkeit. Wir können über alles reden und unterstützen uns gegenseitig und lernen auch viel voneinander. Wir haben vor 2 Jahren geheiratet, weil wir unsere Tochter Julia bekommen haben. Julia ist mein allergrösster Schatz, mittlerweile 2 Jahre alt und sehr eigenwillig und wild. Sie hat eine superliebe Persönlichkeit und jeder Tag, den wir mit ihr verbringen dürfen, ist ein Geschenk.

Und meine Mutter macht alles zunichte!!!

Ich muss hier schreiben, dass ich wirklich versuche, möglichst keine Schimpfwörter oder Fluchwörter über meine Mutter zu verwenden (also die Schwiegermutter meiner Frau). Immerhin ist sie meine Mutter und grundsätzlich auch ein sehr lieber Mensch, wir hatten auch schon viele schöne Stunden und sie hat mich ja auch erzogen. Aber sie ist mittlerweile ziemlich unmöglich geworden!

Alles fängt damit an, dass wir ein paar Dinge bei der Kindererziehung nicht so machen, wie es meine Eltern damals gemacht haben, und meine Mutter kann das einfach nicht akzeptieren. Meine Frau arbeitet zum Beispiel nicht, weil wir der Meinung sind, dass ein Kind nur einmal so klein ist und zumindest ein Elternteil 100% für das Kind da sein sollte – und die Zeit auch geniessen kann. Meine Mutter kann aber nicht damit aufhören, zu erwähnen, dass heute „jede normale Frau“ nach eine Geburt so schnell wie möglich wieder arbeiten gehen sollte, da sie sonst in ein paar Jahren weg vom Fenster ist und sowieso, das wird einem doch langweilig, auf ein Kind aufzupassen, nicht? Sie kann nicht akzeptieren oder verstehen, dass es für meine Frau und mich absolut okay ist, wenn meine Frau nicht arbeitet.

Dann haben wir ein Familienbett, schlafen also alle zusammen in einem Zimmer auf zwei riesigen Matrazen. Zum einen finden wir, dass man so eine echte Nähe in der Familie aufbauen kann und zum anderen haben wir eine ganz kleine Wohnung dass wir gar kein eigenes Kinderzimmer einrichten könnten!

Dann stillt meine Frau unsere Julia immer noch, weil wir davon überzeugt sind, dass die Brustmilch etwas vom besten ist, was ein Kind als Nahrung kriegen kann (natürlich kriegt sie noch andere Dinge zu essen). Es stärkt das Immunsystem und gibt eine besondere Bindung von Mutter zum Kind. Aber hey, in der heutigen kranken Welt bist du ein abartiges Monster, wenn du dein Kind über einen längeren Zeitraum mit der natürlichen Funktion deines Körpers stillst und nicht mit einer künstlich hergestellten Milch!

All diese Dinge führen dazu, dass unsere geliebte Julia mit ihren 2 Jahren sehr an ihrer Mutter hängt. Das ist meiner Meinung nach auch völlig logisch, immerhin kümmert sich meine Frau die ganze Woche um sie und gibt sie nicht in eine Kinderkrippe. Meine Frau ist die primäre Ansprechsperson von Julia.

Jetzt ist es so, dass meine Mutter die zwanghafte Vorstellung hat, dass sie mit ihrer Enkelin Hand in Hand eine Strasse entlanglaufen kann. Ich glaube, das würde sie zur glücklichsten Grossmutter der Welt machen. Tja, Pech gehabt, unsere Julia will das nicht, und wir zwingen sie auch nicht dazu. Julia ist meiner Mutter eher ein wenig zurückhaltend, da sie in der Vergangenheit von meiner Mutter mit wilden Küssen begrüsst wurde und das aber überhaupt nicht mochte.

Das Doofe ist: Mit allen Enkelkindern ihrer Freundinnen kann meine Mutter Händchen halten und irgendwo entlanglaufen, da diese Kinder anders erzogen wurden. Sie wurden nach spätestens 8 Monaten abgestillt und gingen früh in eine Kinderkrippe, wo sie bereits viel Kontakt mit anderen Menschen hatten. Das verstehe ich ja jetzt alles noch.

Was meine Mutter jetzt aber abzieht, kann ich fast nicht schreiben, da es mir so absurd vorkommt.

Meine Mutter behauptet nun, meine über alles geliebte Tochter sei „nicht normal“, da man mit ihr nicht, wie mit „allen anderen Kindern dieser Erde“ Hand in Hand irgendwo rumlaufen kann. Zudem sei Julia immer sehr bleich, ja ist sie denn krank? Und sie ist so dünn, wahrscheinlich kriegt sie zu wenig zu essen! Und für ihr Alter läuft sie ziemlich wackelig (was Schwachsinn ist), ist sie vielleicht ein wenig zurückgeblieben? Und hey, es sollte doch einer Grossmutter möglich sein, dem Kind einen Kuss aufzudrücken, selbst wenn es nicht will. Das Kind hat doch zu wollen!

Sorry für den langen Text… vielleicht merkst du, worauf ich hinaus will. Meine Frau und ich haben ein wunderschönes Leben mit einer wunderbaren Tochter, aber meine Mutter denkt sich in ihrem Kopf schlimme Fantasiegeschichten aus, als würde die Welt brennen und meine Tochter die schlimmsten Eltern der Welt haben – Alternative Hippies, die ihr nicht genug zu essen geben. Eine Mutter, die ihr Kind durch jahrelanges Stillen so an sich reisst, dass kein Platz mehr für die Grossmutter ist.

Und sie treibt das ins Extreme.

Ich kann ihr noch so ein schönes Foto zeigen, welches unsere Familienidylle zeigt – Etwa meine Frau, wie sie liebevoll mit meiner Tochter spielt – Meine Mutter sieht dahinter immer etwas Negatives! „Jetzt sitzt die Kleine schon wieder im Kinderwagen, sie sollte mehr raus und rumrennen“, dabei ist meine Julia wie gesagt eine der wildesten Kinder und ständig am rennen. „Schau, jetzt kriegt die kleine schon wieder Schokolade zu essen, nein also das Kind wird so ungesund erzogen, das wird mal sehr krank werden. Das Kind ist so bleich, das ist krank. Kein Wunder bei dieser alternativen Hippiemutter!“ Obwohl nur die Belichtung auf dem Foto schlecht war. Soll ich über jedes Foto etwa einen Rot-Filter legen, damit Julia nicht so bleich aussieht?

Es ist wirklich schwierig, das ganze Ausmass der Situation in einem Text zu schreiben. Was aber das Schlimmste ist: Meine Mutter bezichtigt meine Frau aller möglichen Schandtaten! Meine Frau ist eine Lügnerin, ständig lügt sie meine Mutter an! Auch wenn es sich vielleicht um ein doofes Missverständnis handelt, welches man wie erwachsene Leute diskutieren und aus der Welt schaffen könnte. Nein, meine Mutter ist so stur, die Schuld liegt immer bei meiner Frau, meine Mutter ist eine Heilige, die noch nie in ihrem Leben etwas Falsches gemacht hat, und meine Frau der Teufel in Person, ständig am Lügen. Und das Schlimme ist, dass, wenn meine Mutter erst einmal loslegt, redet sie so überzeugend auf einen ein, dass man schon selbst anfängt, diese schlimmen Dinge zu glauben. Erst wenn ich nach Hause gehe denke ich „heee moment mal, das ist doch absoluter Quatsch!“ Sie manipuliert dich so fest, dass du am Ende tatsächlich glaubst, du seist schuld.

In ihrem Kopf krallt sich meine Mutter an bestimmte Situationen und interpretiert das Allerschlimmste rein und hat dann das Gefühl, das wäre die Realität. Du kannst ihr tausendmal sagen, sie irrt sich, sie hört nicht zu.

Und das ist nicht erst, seit wir Julia haben, das war schon immer so, es ist einfach jetzt mit Julia und dieser „Hand in Hand“ Geschichte eskaliert. Meine Mutter hat schon immer Behauptungen über meine Frau angestellt. Nun, meine Frau ist meiner Meinung nach wirklich eine sehr intelligente Person und wir haben dann zu Hause jeweils über alles gesprochen und sind bisher zum Schluss gekommen, dass es am besten ist, dass wir nachgeben und meine Frau sich bei meiner Mutter entschuldigen, um den Familienfrieden aufrecht zu halten. Aber weisst du was? Ich glaube, meine Mutter hat das nicht geschnallt, die jahrelangen Entschuldigungen von mir und meiner Frau bestärken sie noch in ihren Verschwörungstheorien und sie ist sich sicher, dass sie im Recht ist.

Wenn sie nicht meine Mutter wäre, hätten wir schon längstens den Kontakt abgebrochen, aber meine Frau und ich haben uns immer wieder entschuldigt. Eine Entschuldigung von meiner Mutter kannst du dir nur erträumen, so etwas gibt es nicht. Meine Mutter ist so überzeugt von sich und ihren Fantasiegeschichten, sie ist immer das Opfer und meine Frau die böse Schwiegertochter, die ihr Leben und die Beziehung zur Enkelin sabotieren will, in dem sie EXTRA LANGE STILLT UND JULIA AN SICH ZIEHT. HAT MAN SOLCH EINEN SCHWACHSINN SCHON EINMAL GEHÖRT????

Nein echt, ich bin ein sehr friedlicher Mensch, aber diese absolut unmögliche Situation macht sogar mich aggressiv und verzweifelt. Wie kann ein Mensch (meine Mutter) nur die Realität so falsch interpretieren und dann sein eigenes Herz vergiften??? Meine Mutter hat mir beim letzten Besuch (ich gehe mittlerweile nur noch alleine hin) gesagt, dass ihr das alles sehr ans Herz gehe und sie auch sehr traurig ist wegen der Situation. Aber gleichzeitig beleidigt sie mich, meine Tochter und meine Frau ständig. Wie nebenläufig sagt sie „Ja, heutzutage ist das so, jede normale Frau geht nach der Geburt gleich wieder arbeiten“ oder „Ja, man sollte das Kind nicht länger als 8 Monate stillen, also das haben alle meine Freundinnen bestätigt“. Sie merkt nicht, dass sie so indirekt meine Frau beleidigt. Und meine Frau leidet auch sehr darunter, sie kann nicht verstehen, warum meine Mutter solche gemeine Aussagen macht.

Ich sage ihr ständig, wie sie mit Julia umgehen sollte, damit ihr Traum von „Hand in Hand im Sonnenuntergang einen Weg entlangspazieren“ in Erfüllung gehen kann. Nämlich, indem sie Julia so akzeptiert, wie sie ist, und sie nicht ständig verbiegen will. Indem sie wartet, dass Julia auf sie zukommt, anstatt sie mit lautem Geschrei und wilden Küssen zu überfallen. Indem sie aufhört, mich und meine Familie zu beleidigen.

Ich sage dir, Glücksritterin Lea, einmal, nur EINMAL in meinem Leben möchte ich von meiner Mutter etwas Positives und Liebevolles hören. Einfach etwas simples wie „Ihr scheint eure Tochter ganz anders zu erziehen, aber ich bin voller Vertrauen, dass ihr das schafft!“ oder „Ich bin stolz auf euch, ihr macht das echt gut“ oder so. Aber vor lauter selbstgebautem Hass sieht sie nicht, was für ein grossartiges Mädchen die Julia ist. Klar ist Julia nicht perfekt, aber meine Mutter stürzt sich auf diese kleinen Eigenheiten, die halt Kinder haben, statt die positiven Aspekte von Julia zu sehen.

Ich habe immer probiert, meine Mutter mit Julia so oft es geht zu besuchen, damit sie von unserem Glück etwas abhaben kann. Meine Frau und ich haben solche ein wunderschönes Leben und keine Probleme – Bis auf meine Mutter. Ich denke immer, wir könnten es alle so schön miteinander haben. Aber meine Mutter hört einfach nicht zu. Sie kapiert nicht, dass sie alleine schuld daran ist, dass Julia nicht mit ihr spazieren gehen will.

Ich bin echt verzweifelt. Was soll ich nur tun???

Dominik

Antwort von Glücksritterin Lea

Hallo Dominik

Wow, das klingt echt schlimm. Tatsächlich gibt es viele Menschen, die auch in harmlosen Situationen das Schlimmste sehen. Das ist dann jeweils die Interpretation dieser Person. Besonders bei Bildern ist das gefährlich, wie du auch beschrieben hast. Ist ein Bild falsch belichtet, kann eine Person als bleich rüberkommen. Oder wenn das Foto in einem ungünstigen Zeitpunkt gemacht wurde, kann die Person als wütend rüberkommen, obwohl sie eigentlich am lachen war.

Auch bei Gesprächen mit solchen Leuten können simple Aussagen zu Missverständnissen und dann zu, wie du es nennst, „Verschwörungstheorien“ führen.

Es ist schwierig, einen Rat für deine Mutter zu geben. Es wäre natürlich sehr schön, wenn sie mit ihrer Art aufhören und stattdessen ihr Enkelkind geniessen würde. Wenn ihr es friedlich zusammen haben könntet. Ich weiss aber nicht, warum deine Mutter das macht. Sie hat viele Dinge in ihrem erlebt, und die Summe dieser Dinge haben nun ihr jetziges Leben beziehungsweise Verhalten ergeben.

Was ich aber aus deinem Beitrag lesen kann ist, dass du und deine Frau sehr unglücklich über die Beziehung zu deiner Mutter seid. Anscheinend probiert ihr bereits jahrelang, es der Mutter recht zu machen, was aber doch nie so richtig klappt. Auch wenn ihr euch dann entschuldigt und sie sich dann noch bestärkt in ihrer Meinung sieht – und selber nie auf die Idee käme, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen und sich gegebenfalls ebenfalls zu entschuldigen.

Dominik, ich befürchte, ich kann dir nur einen Rat geben. Wenn du und deine Frau eine toxische Beziehung zu deiner Mutter haben, müsst ihr (zumindest vorläufig) den Kontakt abbrechen. So wie es klingt scheint ihr mit eurer Julia eine glückliche kleine Familie zu sein. Vielleicht wird deine Mutter zur Einsicht gelangen, wenn ihr mal nicht wieder „angekrochen“ kommt und euch für euer Verhalten entschuldigt, obwohl ihr es nicht für falsch empfindet. Vielleicht wird sie ihr eigenes Verhalten hinterfragen, wenn sie nicht nur den Kontakt zu ihrem Enkelkind verliert, sondern auch dem zu ihrem Sohn.

Ich wünsche dir, deiner Frau und Julia ganz viel Liebe. Und deiner Mutter wünsche ich ebenso viel Liebe, als dass sie wieder auf den ritterlichen Pfad des Lichts zurückfindet und ihren Hass hinter sich lassen kann! herz kleinherz kleinherz klein

Glücksritterin Lea

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