Mein Freund hat etwas gesagt und jetzt mache ich es immer, wenn ich die Gelegenheit dazu bekomme

Von: Jasmine, 21, weiblich

Hallöchen Glücksritterin Lea

Ich habe kein Problem, sondern wollte nur etwas mitteilen, was mir letztens wieder einmal aufgefallen ist.

Vor einer Weile gingen mein Freund und ich zusammen aus. Als wir wieder nach Hause kamen hat er mich gefragt, ob ich ihm ein Glas Orangensaft bringen könnte. Gleich als er es in der Hand hielt, und es hatte bereits einen Strohhalm drin, hat er mich gefragt, ob ich den Strohhalm reingetan hatte. Als ich bejahte hat er mir gesagt, dass noch nie jemand so etwas für ihn getan hat.

Mein Herz wurde ganz weich und meine Augen wässig. Mein Freund wahr 4 Jahre lang in einer schlimmen Beziehung mit einer Frau, die ihn voll ausgenutzt hat und NICHTS für ihn gemacht hat.

Jedesmal wenn wir Getränke gekauft haben tue ich ihm extra einen Strohhalm in sein Getränk weil es mir Freude macht, wenn er sich freut.

Es sind die kleinen Dinge, die zählen!

Grüsse
Jasmine

Antwort von Glücksritterin Lea

Hallo Jasmine

Ja du hast recht, man muss es schätzen, wenn man einen Menschen gefunden hat, der mit einem das Leben bestreitet und einem unterstützt, und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Viele Kleinigkeiten zählen sich auch zu einer grossen Sache zusammen. smiley lachen

Schön, dass du so lieb zu deinem Freund bist! Alles Gute wünsche ich Euch für die Zukunft! herz klein

Ich habe letztens unserem ältern Nachbarn bei der Wäsche geholfen. Ich war normal am Wäsche waschen und da kam dieser ältere Herr namens Eddie zu mir und fragte mich, ob ich ihm nicht zeigen könnte, wie die Waschmaschine funktioniert. Er ist wirklich schon sehr alt und er meinte, seine Frau mache sonst immer die Wäsche und er wisse nicht, wie man die Waschmaschine oder den Trockner bedient. Leider liegt die Frau mit Krebs im Bett und kann fast nichts mehr für ihren Mann machen smiley traurig

Er hat es auch ganz schnell kapiert, das ist ja auch nicht so eine grosse Sache mit der Waschmaschine, wenn man weiss wie. Auf jeden Fall hat er sich total gefreut und ich mich auch, dass ich mit meinen Kenntnissen über das Waschen ihm helfen konnte haha affe augen zu

Ich habe ihn erst dieses Wochenende wieder getroffen und er hat mir stolz gesagt, dass er die Wäsche mittlerweile ganz gut im Griff hat. Seiner Frau geht es leider nicht besser, sie geht jetzt in eine Therapie irgenwo in den Bergen, damit sie ein wenig Abwechslung und Betreuung hat (zuhause liegt sie nur im Bett) und Eddie auch weniger Arbeit hat.

Ich weiss in solchen Momenten auch gar nicht, was ich gross sagen soll, aber darüber reden kann ich schon mit Eddie, ohne schlimm zu tun. Du weisst schon, viele Leute meiden es dann, über solche Themen zu sprechen. Eddie selber hatte auch schon viel hinter sich, er hatte schon einige Gesichtstransplantationen und sieht dementsprechend aus. Aber schlussendlich ist es sein Leben und das Leben seiner Frau, da kann man darüber sprechen finde ich. Ich wünsche ihnen dann jeweils alles Gute und sage auch, dass sie jederzeit bei mir klopfen dürfen, wenn sie mal Hilfe brauchen. Dafür hat er mir mal einen Sack Rhabarber geschenkt smiley zufrieden

Das Altern ist nun mal existent und irgendwann sind wir alle alt, da kann man nichts dagegen tun. Aber ja, ich bin abgeschweift, darum höre ich jetzt auf zu schreiben.

Ich wünsche Eddie und seiner Frau auch alles Liebe! herz klein

Glücksritterin Lea

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Patrick war für mich Superman und starb mit 13 Jahren in meinen Armen

Von: Carsten, 20, männlich

glücksritterorden

Hallo Glücksritterin Lea

Schön, dass es einen Ort wie deine Homepage gibt. Ich wollte mir das schon lange von der Seele schreiben, wusste aber nicht genau, wo. Ich bin jetzt 20 Jahre alt. Mit 18 wurde ich Vater und mit 19 habe ich geheiratet. Das ist aber nicht der Grund, warum ich schreibe. Mit 18 wurde ich Heimbetreuer und für die Betreuung von Patrick eingeplant.

Patrick war ein 13 Jahre alter Junge mit einer lähmenden Krankheit, eine Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn (NBIA). Ihm wuchs Eisen im Gehirn und er verlor die Kontrolle über seinen Körper. Ironischerwiese funktionierte sein Gehirn noch immer ganz normal. Kurz nachdem ich mit ihm angefangen habe zu arbeiten hat er die Fähigkeit zu sprechen verloren. Er konnte aber immer noch kommunizieren, indem er für „ja“ oder „nein“ in eine bestimmte Richtung schaute.

Für ein Jahr habe ich mit ihm jeden Tag gearbeitet. Er wurde wie ein jüngerer Bruder für mich. Jeden einzelnen Tag haben wir zusammen Superman geschaut, da Patrick hoffte, eines Tages so stark wie Superman zu werden. Wir haben zusammen Pokemon gespielt, weil ihm das so gut gefallen hat. Er hat mir gezeigt, wie man das spielt. Etwa ein Jahr später fing seine Atmung an, ganz tief und zufällig zu werden. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich im Februar diesen Jahres, als wir gerade fertig Superman geschaut hatten, ihm erzählt habe, dass die Wissenschaft neue Geräte erfunden hat, mit denen man besser denken oder die Arme und Beine besser bewegen kann. Ich wollte ihm am nächsten Montag ein paar Zeitungsartikel vorbeibringen, um sie ihm zu zeigen.

Am Montag morgen bekam ich einen Anruf, dass ich nicht zur Arbeit gehen müsse, da sich eine Krankenschwester um Patrick kümmern wird. Ich könne ihn aber besuchen, wenn ich wollte, einfach nicht in meinen Arbeitskleidern. Ich bekam da bereits ungutes Gefühl, habe aber gehofft, dass Patrick einfach genauer untersucht wurde oder so. Als ich ankam konnte ich bereits nach wenigen Minuten sagen, dass die Stimmung gedämpft war. Patrick war nicht tot, aber er lag im Sterben. Manchmal bewegte er seine Augen und lächelte leicht. Dann glitt er wieder in einen starren Zustand, nahm einen tiefen Atemzug und hielt die Luft an.

Alle Anwesenden bekamen ein paar Minuten, um mit ihm zu reden und ihm was auch immer wir mochten zu sagen. Seine Mutter wurde gerade fertig, mit ihm zu sprechen, und ich kam an die Reihe. Ich hielt seine Hand und machte einen witzigen Spruch, den er immer geliebt hat. Ich merkte, wie er meine Hand leicht drückte. Ob es bewusst war oder ob er mir zeigen wollte, dass er dass er lachte, weiss ich nicht. Ich sagte ihm, dass alles gut werden würde und dass „dies kein Goodbye sei, wir würden uns bald wiedersehen“. Ich gab ihm eine lange Umarmung und merkte, dass sein Körper ziemlich steif war (von seiner Krankheit, er war ständig verspannt davon). Sein Gesicht war blau angelaufen und er hat für beinahe 90 Sekunden nicht geatmet. Er war tot, aber die Krankenschwester prüfte noch seinen Puls, um sicher zu sein.

Ich sass mit meinem 13 jährigen Freund und habe seine Hand im letzten Moment seines Lebens gehalten. Ich dachte immer, wenn mein Handybildschirm mal einen Sprung bekommt, sei das schlimm, aber Patrick’s Tod hat wirklich meine Perspektive auf alles verändert. Ich wurde extrem depressiv, ich muss mich aber zusammenreissen und da sein für meine Frau und meine Tochter. Ich vermisse Patrick extrem. Für mich war er Superman.

Carsten

Antwort von Glücksritterin Lea

Hallo lieber Carsten

Das tut mir sehr leid für dich und für Patrick. Es ist wirklich schlimm, einen geliebten Menschen an eine Krankheit zu verlieren, sei es von der eigenen Familie oder von den Menschen, die wir in unsere Herzen geschlossen haben. smiley traurig Ich hoffe, es hat dir geholfen, hier deine Geschichte zu schreiben, ich bin sicher, jede Person, die das liest, wird mit dir fühlen.

Der Tod eines geliebten Menschen zeigt, wie unwichtig unsere kleinen täglichen Sorgen sind. Leider – oder auch zum Glück – hält dieses Gefühl nicht ewig an. Man sagt in diesem Augenblick immer „Das Leben geht weiter“ und es stimmt auch. Dein Herz kann Patrick aber auf jeden Fall für immer in sich tragen und wenn du mal traurig bist kannst du zurückdenken an die Zeit, wie du mit Patrick Pokemon gespielt oder Superman geschaut hast.

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Bietet dein Arbeitgeber psychologische Betreuung in solchen Fällen an? Falls ja, würde ich dieses Angebot annehmen. Es ist überhaupt nicht schlimm, mit Fachpersonen über diese Problem zu sprechen. Oftmals hilft es, das Geschehene zu verarbeiten. Auch darüber zu schreiben hilft oftmals weiter, ich hoffe, das ist bei dir auch der Fall. Das Mindeste, was ich für dich tun kann, ist es, einen Platz anzubieten, wo du das Gedenken an Patrick aufrechterhalten kannst.

Ich hoffe, du findest in deiner Familie die Kraft, deinen Lebensweg weiterzugehen. Ich wünsche dir, dass du trotz dem Geschehenen das Schöne im Leben sehen kannst und das Leben umso mehr geniesst.

Kraft meines Amtes als Glücksritterin für seine letzte Ehre schlage ich Dich und Patrick zum Glücksritter. Möge Patrick Frieden finden, wo er jetzt ist, und befreit von seinen Schmerzen sein, und mögest Du die Erinnerung an ihn für immer in deinem Herzen tragen. herz klein

Ich schenke dir ganz viel Liebe!

Glücksritterin Lea

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