Die Schwiegermutter erfindet Verschwörungstheorien über meine Frau

Von: Dominik, 35, männlich

Hallo Glücksritterin Lea

Ich bin richtig, richtig verzweifelt. Ich stecke momentan in solch einer absurden Situation, wirklich. Meine Mutter denkt, meine Frau sei eine absolut böse, verlogene, hinterwäldlerische Person. Meine Mutter glaubt, meine Frau will ihr bewusst unser Kind vorenthalten. Ich weiss echt nicht mehr, was ich tun soll!

Vielleicht zuerst einmal etwas über mich. Ich bin mit meiner Frau bereits seit 13 Jahren zusammen, sie ist eine der liebenswertesten Personen auf dieser Welt. Wir haben solch eine gute Beziehung, das man nur von wahrer Liebe sprechen kann. Sie hat eine wundervolle Persönlichkeit. Wir können über alles reden und unterstützen uns gegenseitig und lernen auch viel voneinander. Wir haben vor 2 Jahren geheiratet, weil wir unsere Tochter Julia bekommen haben. Julia ist mein allergrösster Schatz, mittlerweile 2 Jahre alt und sehr eigenwillig und wild. Sie hat eine superliebe Persönlichkeit und jeder Tag, den wir mit ihr verbringen dürfen, ist ein Geschenk.

Und meine Mutter macht alles zunichte!!!

Ich muss hier schreiben, dass ich wirklich versuche, möglichst keine Schimpfwörter oder Fluchwörter über meine Mutter zu verwenden (also die Schwiegermutter meiner Frau). Immerhin ist sie meine Mutter und grundsätzlich auch ein sehr lieber Mensch, wir hatten auch schon viele schöne Stunden und sie hat mich ja auch erzogen. Aber sie ist mittlerweile ziemlich unmöglich geworden!

Alles fängt damit an, dass wir ein paar Dinge bei der Kindererziehung nicht so machen, wie es meine Eltern damals gemacht haben, und meine Mutter kann das einfach nicht akzeptieren. Meine Frau arbeitet zum Beispiel nicht, weil wir der Meinung sind, dass ein Kind nur einmal so klein ist und zumindest ein Elternteil 100% für das Kind da sein sollte – und die Zeit auch geniessen kann. Meine Mutter kann aber nicht damit aufhören, zu erwähnen, dass heute „jede normale Frau“ nach eine Geburt so schnell wie möglich wieder arbeiten gehen sollte, da sie sonst in ein paar Jahren weg vom Fenster ist und sowieso, das wird einem doch langweilig, auf ein Kind aufzupassen, nicht? Sie kann nicht akzeptieren oder verstehen, dass es für meine Frau und mich absolut okay ist, wenn meine Frau nicht arbeitet.

Dann haben wir ein Familienbett, schlafen also alle zusammen in einem Zimmer auf zwei riesigen Matrazen. Zum einen finden wir, dass man so eine echte Nähe in der Familie aufbauen kann und zum anderen haben wir eine ganz kleine Wohnung dass wir gar kein eigenes Kinderzimmer einrichten könnten!

Dann stillt meine Frau unsere Julia immer noch, weil wir davon überzeugt sind, dass die Brustmilch etwas vom besten ist, was ein Kind als Nahrung kriegen kann (natürlich kriegt sie noch andere Dinge zu essen). Es stärkt das Immunsystem und gibt eine besondere Bindung von Mutter zum Kind. Aber hey, in der heutigen kranken Welt bist du ein abartiges Monster, wenn du dein Kind über einen längeren Zeitraum mit der natürlichen Funktion deines Körpers stillst und nicht mit einer künstlich hergestellten Milch!

All diese Dinge führen dazu, dass unsere geliebte Julia mit ihren 2 Jahren sehr an ihrer Mutter hängt. Das ist meiner Meinung nach auch völlig logisch, immerhin kümmert sich meine Frau die ganze Woche um sie und gibt sie nicht in eine Kinderkrippe. Meine Frau ist die primäre Ansprechsperson von Julia.

Jetzt ist es so, dass meine Mutter die zwanghafte Vorstellung hat, dass sie mit ihrer Enkelin Hand in Hand eine Strasse entlanglaufen kann. Ich glaube, das würde sie zur glücklichsten Grossmutter der Welt machen. Tja, Pech gehabt, unsere Julia will das nicht, und wir zwingen sie auch nicht dazu. Julia ist meiner Mutter eher ein wenig zurückhaltend, da sie in der Vergangenheit von meiner Mutter mit wilden Küssen begrüsst wurde und das aber überhaupt nicht mochte.

Das Doofe ist: Mit allen Enkelkindern ihrer Freundinnen kann meine Mutter Händchen halten und irgendwo entlanglaufen, da diese Kinder anders erzogen wurden. Sie wurden nach spätestens 8 Monaten abgestillt und gingen früh in eine Kinderkrippe, wo sie bereits viel Kontakt mit anderen Menschen hatten. Das verstehe ich ja jetzt alles noch.

Was meine Mutter jetzt aber abzieht, kann ich fast nicht schreiben, da es mir so absurd vorkommt.

Meine Mutter behauptet nun, meine über alles geliebte Tochter sei „nicht normal“, da man mit ihr nicht, wie mit „allen anderen Kindern dieser Erde“ Hand in Hand irgendwo rumlaufen kann. Zudem sei Julia immer sehr bleich, ja ist sie denn krank? Und sie ist so dünn, wahrscheinlich kriegt sie zu wenig zu essen! Und für ihr Alter läuft sie ziemlich wackelig (was Schwachsinn ist), ist sie vielleicht ein wenig zurückgeblieben? Und hey, es sollte doch einer Grossmutter möglich sein, dem Kind einen Kuss aufzudrücken, selbst wenn es nicht will. Das Kind hat doch zu wollen!

Sorry für den langen Text… vielleicht merkst du, worauf ich hinaus will. Meine Frau und ich haben ein wunderschönes Leben mit einer wunderbaren Tochter, aber meine Mutter denkt sich in ihrem Kopf schlimme Fantasiegeschichten aus, als würde die Welt brennen und meine Tochter die schlimmsten Eltern der Welt haben – Alternative Hippies, die ihr nicht genug zu essen geben. Eine Mutter, die ihr Kind durch jahrelanges Stillen so an sich reisst, dass kein Platz mehr für die Grossmutter ist.

Und sie treibt das ins Extreme.

Ich kann ihr noch so ein schönes Foto zeigen, welches unsere Familienidylle zeigt – Etwa meine Frau, wie sie liebevoll mit meiner Tochter spielt – Meine Mutter sieht dahinter immer etwas Negatives! „Jetzt sitzt die Kleine schon wieder im Kinderwagen, sie sollte mehr raus und rumrennen“, dabei ist meine Julia wie gesagt eine der wildesten Kinder und ständig am rennen. „Schau, jetzt kriegt die kleine schon wieder Schokolade zu essen, nein also das Kind wird so ungesund erzogen, das wird mal sehr krank werden. Das Kind ist so bleich, das ist krank. Kein Wunder bei dieser alternativen Hippiemutter!“ Obwohl nur die Belichtung auf dem Foto schlecht war. Soll ich über jedes Foto etwa einen Rot-Filter legen, damit Julia nicht so bleich aussieht?

Es ist wirklich schwierig, das ganze Ausmass der Situation in einem Text zu schreiben. Was aber das Schlimmste ist: Meine Mutter bezichtigt meine Frau aller möglichen Schandtaten! Meine Frau ist eine Lügnerin, ständig lügt sie meine Mutter an! Auch wenn es sich vielleicht um ein doofes Missverständnis handelt, welches man wie erwachsene Leute diskutieren und aus der Welt schaffen könnte. Nein, meine Mutter ist so stur, die Schuld liegt immer bei meiner Frau, meine Mutter ist eine Heilige, die noch nie in ihrem Leben etwas Falsches gemacht hat, und meine Frau der Teufel in Person, ständig am Lügen. Und das Schlimme ist, dass, wenn meine Mutter erst einmal loslegt, redet sie so überzeugend auf einen ein, dass man schon selbst anfängt, diese schlimmen Dinge zu glauben. Erst wenn ich nach Hause gehe denke ich „heee moment mal, das ist doch absoluter Quatsch!“ Sie manipuliert dich so fest, dass du am Ende tatsächlich glaubst, du seist schuld.

In ihrem Kopf krallt sich meine Mutter an bestimmte Situationen und interpretiert das Allerschlimmste rein und hat dann das Gefühl, das wäre die Realität. Du kannst ihr tausendmal sagen, sie irrt sich, sie hört nicht zu.

Und das ist nicht erst, seit wir Julia haben, das war schon immer so, es ist einfach jetzt mit Julia und dieser „Hand in Hand“ Geschichte eskaliert. Meine Mutter hat schon immer Behauptungen über meine Frau angestellt. Nun, meine Frau ist meiner Meinung nach wirklich eine sehr intelligente Person und wir haben dann zu Hause jeweils über alles gesprochen und sind bisher zum Schluss gekommen, dass es am besten ist, dass wir nachgeben und meine Frau sich bei meiner Mutter entschuldigen, um den Familienfrieden aufrecht zu halten. Aber weisst du was? Ich glaube, meine Mutter hat das nicht geschnallt, die jahrelangen Entschuldigungen von mir und meiner Frau bestärken sie noch in ihren Verschwörungstheorien und sie ist sich sicher, dass sie im Recht ist.

Wenn sie nicht meine Mutter wäre, hätten wir schon längstens den Kontakt abgebrochen, aber meine Frau und ich haben uns immer wieder entschuldigt. Eine Entschuldigung von meiner Mutter kannst du dir nur erträumen, so etwas gibt es nicht. Meine Mutter ist so überzeugt von sich und ihren Fantasiegeschichten, sie ist immer das Opfer und meine Frau die böse Schwiegertochter, die ihr Leben und die Beziehung zur Enkelin sabotieren will, in dem sie EXTRA LANGE STILLT UND JULIA AN SICH ZIEHT. HAT MAN SOLCH EINEN SCHWACHSINN SCHON EINMAL GEHÖRT????

Nein echt, ich bin ein sehr friedlicher Mensch, aber diese absolut unmögliche Situation macht sogar mich aggressiv und verzweifelt. Wie kann ein Mensch (meine Mutter) nur die Realität so falsch interpretieren und dann sein eigenes Herz vergiften??? Meine Mutter hat mir beim letzten Besuch (ich gehe mittlerweile nur noch alleine hin) gesagt, dass ihr das alles sehr ans Herz gehe und sie auch sehr traurig ist wegen der Situation. Aber gleichzeitig beleidigt sie mich, meine Tochter und meine Frau ständig. Wie nebenläufig sagt sie „Ja, heutzutage ist das so, jede normale Frau geht nach der Geburt gleich wieder arbeiten“ oder „Ja, man sollte das Kind nicht länger als 8 Monate stillen, also das haben alle meine Freundinnen bestätigt“. Sie merkt nicht, dass sie so indirekt meine Frau beleidigt. Und meine Frau leidet auch sehr darunter, sie kann nicht verstehen, warum meine Mutter solche gemeine Aussagen macht.

Ich sage ihr ständig, wie sie mit Julia umgehen sollte, damit ihr Traum von „Hand in Hand im Sonnenuntergang einen Weg entlangspazieren“ in Erfüllung gehen kann. Nämlich, indem sie Julia so akzeptiert, wie sie ist, und sie nicht ständig verbiegen will. Indem sie wartet, dass Julia auf sie zukommt, anstatt sie mit lautem Geschrei und wilden Küssen zu überfallen. Indem sie aufhört, mich und meine Familie zu beleidigen.

Ich sage dir, Glücksritterin Lea, einmal, nur EINMAL in meinem Leben möchte ich von meiner Mutter etwas Positives und Liebevolles hören. Einfach etwas simples wie „Ihr scheint eure Tochter ganz anders zu erziehen, aber ich bin voller Vertrauen, dass ihr das schafft!“ oder „Ich bin stolz auf euch, ihr macht das echt gut“ oder so. Aber vor lauter selbstgebautem Hass sieht sie nicht, was für ein grossartiges Mädchen die Julia ist. Klar ist Julia nicht perfekt, aber meine Mutter stürzt sich auf diese kleinen Eigenheiten, die halt Kinder haben, statt die positiven Aspekte von Julia zu sehen.

Ich habe immer probiert, meine Mutter mit Julia so oft es geht zu besuchen, damit sie von unserem Glück etwas abhaben kann. Meine Frau und ich haben solche ein wunderschönes Leben und keine Probleme – Bis auf meine Mutter. Ich denke immer, wir könnten es alle so schön miteinander haben. Aber meine Mutter hört einfach nicht zu. Sie kapiert nicht, dass sie alleine schuld daran ist, dass Julia nicht mit ihr spazieren gehen will.

Ich bin echt verzweifelt. Was soll ich nur tun???

Dominik

Antwort von Glücksritterin Lea

Hallo Dominik

Wow, das klingt echt schlimm. Tatsächlich gibt es viele Menschen, die auch in harmlosen Situationen das Schlimmste sehen. Das ist dann jeweils die Interpretation dieser Person. Besonders bei Bildern ist das gefährlich, wie du auch beschrieben hast. Ist ein Bild falsch belichtet, kann eine Person als bleich rüberkommen. Oder wenn das Foto in einem ungünstigen Zeitpunkt gemacht wurde, kann die Person als wütend rüberkommen, obwohl sie eigentlich am lachen war.

Auch bei Gesprächen mit solchen Leuten können simple Aussagen zu Missverständnissen und dann zu, wie du es nennst, „Verschwörungstheorien“ führen.

Es ist schwierig, einen Rat für deine Mutter zu geben. Es wäre natürlich sehr schön, wenn sie mit ihrer Art aufhören und stattdessen ihr Enkelkind geniessen würde. Wenn ihr es friedlich zusammen haben könntet. Ich weiss aber nicht, warum deine Mutter das macht. Sie hat viele Dinge in ihrem erlebt, und die Summe dieser Dinge haben nun ihr jetziges Leben beziehungsweise Verhalten ergeben.

Was ich aber aus deinem Beitrag lesen kann ist, dass du und deine Frau sehr unglücklich über die Beziehung zu deiner Mutter seid. Anscheinend probiert ihr bereits jahrelang, es der Mutter recht zu machen, was aber doch nie so richtig klappt. Auch wenn ihr euch dann entschuldigt und sie sich dann noch bestärkt in ihrer Meinung sieht – und selber nie auf die Idee käme, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen und sich gegebenfalls ebenfalls zu entschuldigen.

Dominik, ich befürchte, ich kann dir nur einen Rat geben. Wenn du und deine Frau eine toxische Beziehung zu deiner Mutter haben, müsst ihr (zumindest vorläufig) den Kontakt abbrechen. So wie es klingt scheint ihr mit eurer Julia eine glückliche kleine Familie zu sein. Vielleicht wird deine Mutter zur Einsicht gelangen, wenn ihr mal nicht wieder „angekrochen“ kommt und euch für euer Verhalten entschuldigt, obwohl ihr es nicht für falsch empfindet. Vielleicht wird sie ihr eigenes Verhalten hinterfragen, wenn sie nicht nur den Kontakt zu ihrem Enkelkind verliert, sondern auch dem zu ihrem Sohn.

Ich wünsche dir, deiner Frau und Julia ganz viel Liebe. Und deiner Mutter wünsche ich ebenso viel Liebe, als dass sie wieder auf den ritterlichen Pfad des Lichts zurückfindet und ihren Hass hinter sich lassen kann! herz kleinherz kleinherz klein

Glücksritterin Lea

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3 Gedanken zu “Die Schwiegermutter erfindet Verschwörungstheorien über meine Frau

  1. Vor Allem: Höchste Zeit für Sie sich abzunabeln. Solche Mutter -Sohn Beziehungen können Ehen und Familien zerstören. Erwachsene Männer schaffen eine gesunde Distanz zu Ihrer Mutter. Also: Mut wünsche ich Ihnen und bei Bedarf ein Männerseminar und oder einen Therapeuten für Mannwerden/Sein.

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  2. Grenzen setzen! Mit Recht machen wollen, klappt das nie. Eine Mutter, die sich so in das Leben von längst erwachsenen Kindern einmischt, übertritt eindeutig Grenzen. Wenn sie diese Grenzen selber nicht sehen kann, muss man das klar stellen und nicht mehr vom Standpunkt weichen. Mich würde interessieren, was Dominik jemandem raten würde, der ihm eine solche Situation beschreibt! Manchmal hilft es, sich in eine Dritte Person zu versetzen und plötzlich ist die (manchmal drastische, schmerzvolle) Massnahme ganz klar.

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